Lieber Harald,
in meiner kommenden Ausstellung wird eine Skulptur mit den „Wunschzetteln“ meiner werten Kollegenschaft platziert sein. Bitte schreibe mir, was Du dir persönlich und/oder für die Gesellschaft wünschst. (Denke dabei auch an uns Künstler ;) Liebe Grüße, V.

Harald Jegodzienski
Platz des irdischen Friedens

In den Gärten meiner Freunde werden zwischen den Bäumen die Hängematten geknüpft, - das persönliche Grün scheint überhaupt als eine einzige Ruhezone sich zu präsentieren: hinter jedem Busch ein Liegestuhl, Kaffeesitzecke, Grill- und Feuerplatz, - im leuchtendem Himmelblau der Swimmingpool. Doch scheint die Filteranlage der Badeanstalt defekt, der Liegestuhl ist schon bemoost, der Grill gerostet und die Kaffeeatrium wurde schon lange nicht mehr be- und der Spielgerätschuppen heimgesucht.

Im Innenbereich der Häuser setzt sich das Phänomen fort: Die für das körperliche und seelische Heil angeschafften Saunen verkommen zu Unterstell- und Trocknungskammern; und eine große Sehnsucht ist in der Anhäufung der Duftstoffe für das Wannenbad dokumentiert, flankiert von unbenutzten Kerzen und übergroßen Schwämmen, - Mitbringsel und Erinnerungspotential vom letzten Urlaub im Süden. Die Dusche ist doch um vieles praktischer…

Warum erlauben wir uns das nicht, was wir uns im besten Sinne für unsere Belebung angeschafft haben, nun aber uns leblos anstarrt? Was hindert uns eigentlich daran, die Gelegenheiten auch so zu nutzen, wie ihre Bestimmung es vorsah?

Menschen haben zwei Verfahren erfunden, die zu unserem allgemeinem Wohle gereichen sollte: Das Geld und die Zeitmessung.

* Zunächst sieht die Einführung des Geldwesens als unangefochten sinnvoll aus. Doch scheint dieses Wesen ein verzwicktes zu sein: alle reichen  u n d  armen Menschen sind unzufrieden und hadern mit ihrem Glück; - die Einen, weil sie ihr Reichtum vermehren wollen und ihr Hab und Gut zudem schützen müssen, - die Anderen, weil sie die ersehnten Dinge sich nicht leisten können, die zu ihrer Glücksvorstellung gehören.

* Das Dahingleiten auf unserem Lebensweg ist uns abhanden gekommen. Schon gar nicht werden die Blumen am Rande unseres Lebens-Pfades bestaunt oder gepflückt, - eine Langmut der Geduld gepflegt. Uns ist das Treibenlassen des Genießens verloren gegangen, - oder man meint, die Erquickung an Leib und Seele in der Alkohol- und Rauchunkultur im Schnelldurchlauf erleben zu können. Wo bleibt Zeit für unseren Willen zur Verarbeitung, Auswertung, Aufbereitung und Gestaltung?

Haben wir eigentlich noch einen Willen, oder funktionieren wir nur noch halbautomatisch? Und: für was und für wen?

Setzen wir doch die Erfindung „Geld und Zeit“ als Versuchung dar und nehmen ihre Achtung, in dem wir sie insgeheim in Anführungsstriche setzen. Es sind zwar nur Satzzeichen, jedoch Zeichen der Entwertung allgemeiner Beurteilung von Geld und Zeit. Machen wir doch die Zeiträuber ausfindig: statt Fernsehen - Nahsehen, statt fernfühlen durch Telephonie, wieder in die Augen der Nachbarn schauen. Betrachten wir unsere Tage wieder als trächtig, prall gefüllt mit wirklich wichtigen Erlebnissen, die spürbares Gewicht für uns widerspiegeln. Je intensiver wir gestalten, umso nachhaltiger die Resultate. Eines der wichtigsten Erlebnisse wird das Spüren sein: Wir sind die Kreatoren.

Das hat mit Arbeit zu tun, die uns keiner abnehmen kann. Eine persönliche Balance zwischen System und Anspruch zu finden und auch zu erfinden, - heraus zu destillieren: was ist das 

E i g e n tliche ?